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TIPPS UND TERMINE

 

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Der Wiener Judenplatz mit dem Schoa-Mahnmal
von Rachel Whiteread
Im Hintergrund rechts der Eingang zum Museum des
mittelalterlichen Judentums

Musik

Film

Im Gespräch

Ausstellungen

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Film

Das Leben ist zu lang

Komödie von Dani Levy

D.Levy, Markus Hering
Regisseur Alfi Seliger (Markus Hering)
dahinter Regisseur Dani Levy (Dani Levy)

Nach "Alle auf Zucker!" und dem kontroversiell aufgenommenen Film "Mein Führer" zeigt der Regisseur Dani Levy wieder eine Komödie mit Tiefgang. Im Mittelpuntk steh der jüdische Drehbuchautor und Regisseur Alfi Seliger, der alles andere als erfolgreich ist. Verkörpert wird er von Burgtheaterstar Markus Hering, der in der Rolle sein komödiantisches Talent zeigt. Allein der Kampf des erdachten Regisseurs Seliger mit dem realen (aber im Film zum Obersten Chef stilisieren) Regisseur Dani Levy ist einen Kinoabend wert. Die romantische Ironie, das immer wieder Heraustreten aus der Handlung, bis sich die Zuschauer in einem Strudel befinden und nicht mehr genau wissen, wo oben und unten ist, würzt die Komödie ganz besonders.

Auch der Rest des Personenregisters ist mit prominenten Namen gespickt: Meret Becker, Veronica Ferres, Yvonne Catterfeld, Hans Hollmann, Elke Sommer und als Tochter Alfis Hannah Levy.

Levys Film ist eine Hommage an das Kino und eine Auseinandersetzung mit Schein und Sein, unseren Träumen und der Realität in die wir oft recht unsanft plumpsen. Unter den komischen Szenen (Pechvögel sind immer noch die allerbesten Komödienfiguren) lauert die Wahrheit.

Ein Interview mit Dani Levy finden Sie in der demnächst erscheinenden Nummer der INW

"Das Leben ist zu lang", von Dani Levy, im Verleih Filmladen, ab 3. September im Wiener Votivkino.

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Im Gespräch

Neue Österreichische Literatur

 

Buchcover

 

Elisabeth Wäger liest aus ihrer Erzählung „Kopftheater“ (Drava Verlag, Edition Milo).

Das KOPFTHEATER ist ein ironischer Blick auf die Welt, aus einer kleinen auf die große. Alles passiert in Jetztzeit, und die verteilt ihre Geschichten nach Belieben, sie erzählt nicht chronologisch und nur bedingt korrekt. Das KOPFTHEATER schreibt trotzige Geschichten, nimmt Alltag auf, stößt auf Banalitäten und Barrieren. Das KOPFTHEATER ist Prosa und Stillleben zugleich, eine Regieanweisung in Fußnoten zur Welt des Theaters. Analogien zu lebenden oder verstorbenen Personen sind rein virtuell.

Rezension von Ditta Rudle

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Die Mauern des Schweigens überwinden

Anthologie verfolgter AutorInnen

Die Texte von Autoren und Autorinnen, die in ihren Ländern nicht publizieren dürfen, vielleicht sogar im Gefängnis sind und trotzdem, oft unter Einsatz ihres Lebens, das gesagt haben, was gesagt werden muss, sind nicht nur politische Statements und Grund zum Überdenken des Begriffes Freiheit, sondern auch Literatur, der in ihrer Heimat zwar die Veröffentlichung verweigert wird, aber auf jeden Fall Literatur, die gelesen werden soll.

Helmuth A. Niederle hat als Herausgeber jenen eine Stimme verliehen, die in ihrer Heimat nicht gehört werden (dürfen). Dabei hat er besonderen Wert darauf gelegt, Texte zu sammeln, die auch in unserem Sprachraum kaum zu lesen sind. „Denn“, so meint Niederle, „übersetzt wird im Regelfall das, was in den bei uns üblichen Diskurs passt, was den hier gegebenen ästhetischen Maßstäben entspricht und sich am Ladentisch bewährt.“

Die Prosastücke und Gedichte sind mit biografischen Informationen über die AutorInnen ergänzt. „Wir, die wir in einem Teil der Welt leben, in dem alles gesagt werden kann, ohne Angst vor staatlicher Verfolgung zu haben,“ schreibt Niederle in seinem Vorwort, „ müssen uns die Sensibilität erhalten, literarische Texte auch dann verstehen zu wollen, wenn sie sich nicht im ersten Augenblick erschließen.“

Helmuth A. Niederle (Hg.) Die Mauern des Schweigens überwinden. Anthologie verfolgter Autorinnen und Autoren. Löcker, 2009. 194 S. € 19,80.

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Musik

NEUE CDs

The Shin

Black Sea Fire

Die Gruppe The Shin wurde 1998 in Deutschland von Zaza Mminoshvili und Zurab Gagnidze gegründet. 2002 schloss sich Mamuka Gaganidze dem Duo an. Die in Deutschland lebenden Musiker gehören mehrheitlich zur künstlerischen Elite Georgiens, haben mit internationalen Größen wie Randy Brecker, Giora Feidman, Gia Kancheli, Jorge Pardo, Chaka Khan, Ramesh Shotham, Okay Temiz, Fuat Saka, zusammengearbeitet, mehrere Workshops in Polyrhythmik, Improvisationstheorie und georgischer Mehrstimmigkeit abgehalten und traten seither bei zahlreichen internationalen Festivals auf.

CD Cover

Der Klangteppich des Trios entsteht durch die Begegnung des musischen Georgien mit der Musik verschiedener Länder und Kulturen. Berühmte georgische Mehrstimmigkeit und instrumentale Virtuosität entfalten sich im Austausch mit Jazz, Scat, Funk und Fusion, Flamenco und Indien, Ravel und McLaughlin.

Im Georgischen bedeutet „Shin“ „nach Hause kommen“. Obwohl jeder von uns seine eigene Heimat und seine persönliche Art hat, nach Hause zu kommen, besitzt die Musik von The Shin die erstaunliche Fähigkeit die Zuhörer auf ganz besondere Art „heim“ zu führen, egal, wie weit es bis dorthin ist. Es kann sein, dass man sich plötzlich irgendwo befindet, wo man denkt, dass man dort schon einmal gewesen ist; wo der Regen die Fenster beschlägt und einem vertraute Gerüche von der Küche in die Nase steigen; wo man Stimmen hört, die man kennt, auch wenn man nicht jedes Wort versteht...

Inspirierte und inspirierende Musik. Chorgesang und Polyrythmik, Jazz und Weltmusik, dörfliche und urbane Folklore verbindet sich zu zu einer temperamentvollen Mixtur, voll mitreißender Spielfreude und klanglichen Überraschungen. In gut 50 Minuten Spielzeit entfaltet sich ein musikalischer Bilderreigen, der die Schwarzmeer-Region in neuem Licht zeigt. Grenzüberschreitende Musik, um die Grenzen in den Köpfen zu überspringen.

Im Rahmen des Wettbewerbs „creole-Weltmusik aus Deutschland 08/09“ wurde auch The Shin ausgezeichnet. Wie die beiden anderen Ausgezeichneten, Aly Keita & The Magaic Balafon und East Affair, erhielt The Shine die vom georgischen Bildhauer Levan Vardosanidze geschaffene creole-Skulptur und einen Geldpreis.
The Shin: Black Sea Fire. JARO Medien, 4279-2

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Klezmer ganz anders

 

Klezmer reloaded

Cd Cover

Die Musiker Maciej Golebiowski und Alexander Shevchenko kamen in den neunziger Jahren nach Wien und trafen einander in Leon Pollaks “Ensemble Klesmer Wien”. Bald entschieden sie sich ihre Freude an der Klezmer-Musik auf der Bühne neu aufzuladen. “Klezmer Reloaded”, gibt es nun auch als CD. Die höchst eigene und eigenwillige Musik des Duos Golebiowski (Klarinette) / Shevchenko (Bajan, russische chromatische Knopfharmonika) basiert auf Improvisation und der überraschenden Verbindung der Volksmusik ihrer osteuropäischen Heimat mit orientalischen Klängen und Jazz. Und wenn Golebiowski die Klarinette absetzt und schnell einen polnischen Tango singt, macht das auch nichts. Klezmer weit weg von Giora Feidman, aber immer noch Klezmer.

Shevchenko/Golebiowski: Klezmer reloaded, Extraplatte, EX 781-2

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Klezmer Alliance

Mir Basaraber*

Gruppenbild

Mehr als eine Stunde Leidenschaft, ein wenig Melancholie, sehr viel Fröhlichkeit und eine unwiderstehliche Aufforderung zum Mitsingen und Mittanzen: Wer sich Charme und Feuer der Klezmer Alliance entziehen kann, hat keine Ohren. Die Öffnung Europas in alle Richtungen hat auch die Klezmer Szene grenzüberschreitend werden lassen. Klezmer Alliance ist ein wohltönendes Beispiel dafür. Der Klezmer-Klarinettist und Sänger Bernd Spehl, der Kontrabassist Thomas Fritze und der Gitarrist (und Känzer) Andreas Schmitges kommen aus Deutschland; die außergewöhnlichen Percussion-Einlagen bietet Guy Schalom aus London (Kritikerurteil: „Der beste Klezmer-Schlagzeuger diesseits des Atlantiks“) und die Krönung der Alliance, der Sänger Efim Chorny, stammt aus Kishinev in Moldawien. Seit seinem sechsten Lebensjahr steht änger jiddischer Lieder auf der Bühne und hat Wesentliches zur Wiederbelebung jüdischer Kultur in Ost-Europa beigetragen. Er arbeitet als Musiklehrer, Schauspieler, Sänger und Leiter des „jüdischen Volkstheaters“ in Kishinev. Auch wenn man Efim Chorny nicht sieht, ist sein Charisma, seine Begeisterung für das jiddische Lied und seine mit Witz gepaarte Musikalität zu spüren. Seine Landsfrau Susan Ghergus ist der Alliance als Pianistin beigetreten. Zu erfahren ist auf der CD von Klezmer Alliance auch welch begabter Komponist Chorny ist – seine neuen Lieder fügen sich in Tonfall und Text (von Chorny selbst oder meist von Meir Harats) nahtlos in die Reihe der so oft gehörten Traditionals. Als Appetithappen: Cut 16, „Voz Iz A Doyne? Musikgeschichtlich ist die Doina (Doyna) ein improvisiertes Virtuosenstück, das sich im amerikanischen Klezmer-Revival aus einem rumänischen Klagegesang entwickelt hat. Chorny beschreibt die Doina nicht nur mit jiddische lider und jiddische werter, sondern auch mit jiddische brokhe in a jiddische shvues, kurz für den Liedermacher ist die Doina einfach das Jiddische.

Cd Cover

*Der CD-Titel (Wir Bessaraber) bezieht sich auf Bessarabien, die historische Landschaft in Südosteuropa, die sich heute weitgehend mit dem westlich des Dnister liegenden Teil Moldawiens (Efim Chornys Heimatland) deckt; der Rest gehört zur Ukraine. Bessarabien war bereits unter Katharina der Großen ein Ansiedlungsgebiet für russische Juden (Aschkenasen), auch Juden aus Deutschland und Polen zogen im 19. Jahrhundert nach Bessarabien, sie brachten die jiddische Sprache mit.

Klezmer Alliance: Mir Basaraber, Oriente Musik, RIENCD65.

Mehr Musik- und Lesetipps

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AUSSTELLUNGEN

In memoriam

Ein Zyklus zum Holocaust von Gerhart Frankl

Aufseher und Häftling, Frankl, 1962

Der Wiener Maler Gerhart Frankl (1901–1965) entstammte einer assimilierten jüdischen Familie in Wien. Sein Vater, der Jurist Emil Frankl, war Advokat und Geschäftsführer einer Bank. Als Kunstsammler und großzügiger Mäzen förderte er besonders den Maler Anton Kolig, das spätere Haupt des Nötscher Kreises. Auch die Mutter Else (eigentl. Elise) Frankl, geb. Kerner, war kulturell sehr aufgeschlossen. Im Alter von fünf Jahren wurde Gerhart Frankl nach römisch-katholischem Ritus getauft.

1938 konnte er mit seiner Frau, Christine Büringer, einer Nichte des Nötscher Malers Sebastian Isepp, vor der rassischen Verfolgung durch die Nationalsozialisten nach Großbritannien flüchten. 1950 erhielt Gerhart Frankl die englische Staatsbürgerschaft, legte aber die österreichische nicht zurück.

Im Juni 1965 wurde Gerhart Frankl zu Verhandlungen über eine Professur an der Akademie der bildenden Künste nach Wien eingeladen und in einem Gästezimmer im Kunsthistorischen Museum einquartiert, wo ihn völlig unerwartet der Tod ereilte.

Um 1960 fand Frankl zu einer pastellhaften, malerischen Bildstruktur, die die Grenzen der Gegenständlichkeit nahezu sprengt. Seine letzte Werkgruppe ernstand zwischen 1961 und 1965 der Zyklus "In memoriam" als Mahnmal für die NS-Opfer, zu denen auch die Eltern Frankls zählten.

Was diese Bilder doppelt erschütternd macht, ist, dass es der Künstler vermied, die Greuel auszuschlachten; der Ausdruck der Gesichter und die dargestellten Szenen sprechen für sich selbst. (Ernst Gombrich)

Die 17 gezeigten Arbeiten wurden dem Wien Museum vom Gerhart Frankl Memorial Trust als mehrjährige Leihgabe zur Verfügung gestellt.

In memoriam Ein Zyklus zum Holocaust von Gerhart Frankl 24. Juni 2010 bis 24. Oktober 2010
Wien Museum Karlsplatz, 1040 Wien, Karlsplatz , Dienstag bis Sonntag und Feiertag, 10 bis 18 Uhr.

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Die Türken in Wien

Geschichte einer jüdischen Gemeinde

Das Jahr 1492 war ein Schicksalsjahr in Spanien, als 800 Jahre arabisch-moslemischer Herrschaft durch die endgültige Reconquista beendet wurde, die Juden des Landes verwiesen wurden und Christoph Columbus sich auf eine Reise machte, die zur Entdeckung der neuen Welt führte.

Ansichtskarte Tempel
Innenansicht des sephardischen (türkischen) Tempels in Wien,
Zirkusgasse. Zeitungsholzstich, koloriert

Die Ausstellung „Die Türken in Wien“ beschäftigt sich mit den Auswirkungen eines dieser drei wesentlichen historischen Ereignisse, die das Ende des europäischen Mittelalters markieren, nämlich mit der Vertreibung der Juden aus Spanien, die in Nordafrika, in einigen italienischen Städten, vor allem aber im Osmanischen Reich Asyl fanden. Zunächst nach Portugal Geflüchtete verließen die Iberische Halbinsel später in Richtung Holland und Norddeutschland.

Mit den osmanischen Eroberungen konnten die Juden spanischer Deszendenz, die sogenannten Sefarden, kulturell und wirtschaftlich wichtige Gemeinden auf dem Balkan gründen. Bereits zur Zeit des Ghettos im Unteren Werd gab es Beziehungen zwischen den Wiener und den sefardischen, also den türkischen Juden. Doch erst mit den Friedensverträgen zwischen dem Habsburger und dem Osmanischen Reich in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts genossen die türkischen Juden Freizügigkeit im Habsburger Reich.

Nach der Gründung der türkisch-jüdischen Gemeinde in Wien wurde ihr per kaiserlichem Patent die Freiheit gottesdienstlicher Religionsausübung zugesichert. Sie hatte ihr Bethaus von Anfang an im zweiten Wiener Gemeindebezirk. 1887 wurde schließlich der eindrucksvolle sefardisch-türkische Tempel im maurischen Stil in der Zirkusgasse eingeweiht, in dessen Vorraum man mit den Porträts des Habsburger und des Osmanischen Regenten beiden Majestäten und Ländern die loyale Referenz erwies.

Im November 1938 wurde dieses Juwel Wiener Sakralarchitektur so wie fast alle anderen Synagogen und jüdischen Bethäuser der Stadt zerstört, die Träger dieser Gemeinde in der Folge zu einem großen Teil in den Tod deportiert.

Gebetsmantel
Tora-Mantel / Meïl (sefardisch), 1846/47

Die sefardischen Juden Wiens waren in vielfacher Weise Vermittler zwischen Ost und West, zwischen Orient und Okzident, zwischen Asien und Europa. Diese Mittlerrolle spielten sie einerseits als Händler und Kaufleute, die Wolle und Baumwolle, Seide und Tabak, Zucker und Gewürze in den Westen importierten. Auch ihre Rolle als aktive Exponenten der österreichischen Post in Konstantinopel und der Levante, des österreichischen Lloyd und des Orient Express wird in der Ausstellung „Die Türken in Wien“ beleuchtet. Diese Vermittlerrolle spielten die sefardischen Türken aber auch auf kulturellem Gebiet. Sie richteten in Konstantinopel die erste Druckerei überhaupt ein und in Wien eine sefardische Presse.

Wesentliche Impulse zur Weiterentwicklung der rabbinischen Tradition ging von sefardischen Juden aus. Die reiche, mittelalterliche spanisch-jüdische Poesie wurde weiter tradiert und übersetzt und es waren die Sefarden, die die Entwicklung der jüdischen Mystik vorantrieben. Sie waren es vor allem, die die arabische Philosophie und Medizin für die westliche Welt erfahrbar machte. sefardische Gelehrte wurden als Wissenschaftler und Rabbiner berühmt, als Übersetzer, Hebraisten und Philosophen. Sefardische Publizisten veröffentlichten ihre Schriften in der ganz Ladino-sprachigen Welt und sie brachten Schriftsteller vom Range eines Elias Canetti hervor, um nur ein Beispiel zu nennen.

Die Türken in Wien: 12.5 – 31.10.2010, Jüdisches Museum Wien, Palais Eskeles, Dorotheergasse 11, 1010 Wien. Sonntag bis Freitag 10–18Uhr, Samstag geschlossen.

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Juden, Christen und Muslime

Interkultureller Dialog in alten Schriften

 

Die aktuelle Ausstellung der Österreichischen Nationalbibliothek dokumentiert, dass die europäische Kultur bereits im Mittelalter vielfach geistige Impulse aus dem islamischen und jüdischen Kulturkreis aufgenommen hat - das Gleiche gilt selbstverständlich auch umgekehrt.

Illustration
Losbuch II: Die zwölf „Meister“ unter dem
Planetenhimmel, Mittelrhein/Hessen, um 1370

Ausgewählte Handschriften und Drucke der vier großen, das europäische Mittelalter dominierenden Schriftkulturen, der griechisch-byzantinischen, der lateinischen, der arabischen und der jüdischen.

Anhand der gezeigten Dokumente versucht die Ausstellung die Entwicklung der Wissenschaften beispielhaft nachzuzeichnen und dabei insbesondere den Dialog zwischen den verschiedenen Kulturkreisen in den Blickpunkt zu rücken.

Der Hauptteil der Präsentation konzentriert sich auf jene Wissensbereiche, die im besonderen Maße vom Austausch geprägt waren: Medizin, Astronomie und Astrologie. Die Ausstellung versteht sich als ein Beitrag zur europäischen Wissensgeschichte des Mittelalters und der frühen Neuzeit.

Als eines der Highlights der Ausstellung wird für kurze Zeit der Wiener Dioskurides, der aus konservatorischen Gründen schon lange nicht mehr der Öffentlichkeit präsentiert wurde, im Original gezeigt. Dieses Objekt, das in die Liste des UNESCO-Weltdokumentenerbes aufgenommen wurde, stellt das älteste erhaltene wissenschaftliche Werk Losbuch II Die zwölf „Meister“ unter dem Planetenhimmel Mittelrhein/Hessen, um 1370der Spätantike dar und zählt mit seinen prächtigen Bilderzyklen, die Darstellungen von Ärzten, Pflanzen und Tieren umfassen, zu einer der kostbarsten Handschriften der Österreichischen Nationalbibliothek. Weitere ausgesuchte Zimelien, wie etwa wertvolle künstlerisch aufwändig ausgestattete Herbarien, belegen die nachhaltige Wirkung des Dioskurides und dokumentieren die Entwicklungen in den verschiedensten Wissensgebieten. Highlights aus dem Bereich der Medizingeschichte stellen die Medizinischen Schriften des Hippokrates dar, welche auch die Grundlage für das abendländische medizinische Wissen des Mittelalters waren. Der ausgestellte Codex ist einer der ältesten Belege für die originalsprachige griechische Überlieferung.

Juden, Christen und Muslime im Prunksaal der Österreichischen Nationalbilbiothek, Josefsplatz 1, 1010 Wien. Bis 7. November, Dienstag bis Sonntag, 10-18 Uhr, Donnerstag 10–21 Uhr.

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Niki de Saint Phalle

Im Garten der Fantasie

Skulptur von  N.de Saint Phalle
La mariée à cheval, 1963–97, Gips, Farbe
und Objekte auf Maschendraht

Der Titel der Ausstellung mit Werken von Niki de Saint Phalle sollte die Besucherinnen nicht in die Irre führen. Neben Fantasie und Ausdruckskraft hat die Künstlerin auch eine gehörige Portion Wut in sich getragen, die sie zu ihrem Werk inspiriert hat.

Niki de Saint Phalle war sicher nicht nur die fröhliche Schöpferin der freundlichen Nanas, der bunten, kugelrunden Frauen, die jeder Betrachterin das Herz aufgehen lassen, weil sie meinen, eine Freundin gefunden haben. Davor waren die Frauenfiguren unscheinbar, ganz in weiß gekleidet, wurden von ihr "Braut" genannt und sollten Nikis Ärger darüber zeigen, dass Frauen nur in Beziehung zum Mann, nur als Koch- und Putzfrau gesehen worden sind. Die patriarchalische Erziehung zu Hause, wo die Mutter kaum etwas zu reden hatte, und die Männerherrschaft in der Welt, waren immer wieder Thema in Saint Phalles umfangreichen und vielschichtigen Werk. Niki de Saint Phalle war nicht nur eine fulminante und stilprägende Künstlerin, sie war auch eine eminent politisch denkende, sich unter manchen Qualen emanzipierende Frau und in diesem Sinn auch eine Vorreiterin des Feminismus. Im Essl-Museum werden wichtige Werke der frühen (künstlerischen) Jahre von Niki de Saint Phalle gezeigt, wie das Bild des Mannes mit einer ZIelscheib als Kopf (Saint-Sébastien or Portrait of my Lover", 1961), das Schießbilder "Old Master" oder "La mort du patriarche" gezeigt, die Niki de Saint Phalle in einem anderen Licht erscheinen lassen, als dem bunten, sonnigen der Toskana, wo ihr zauberhafter Tarot-Garten zu besichtigen ist.

Die Ausstellung im Essl Museum (Sammlung Essl – Privatstiftung) in Klosterneuburg kam durch die Zusammenarabeit mit dem Sprengel Museum in Hannover zustande, dem Niki de Saint Phalle einen umfangreichen Teil ihres Werkes geschenkt hat.

Niki de Saint Phalle, Essl Museum, An der Donau-Au 1, Klosterneuburg bei Wien.

Bis 26. September 2010, Dienstag bis Sonntag, 20–18 Uhr, mittwochs bis 21 Uhr.
Der Katalog zur Ausstellung kostet 19 €

Das Essl-Museum hat seine Eintrittspreise reduziert: Erwachsene zahlen € 5,–; Kinder und Jugenldiche bis 19 Jhare, Studenten ohne Altersbeschränkung sowie Arbeitslose haben freien Eintritt in das Museum. Täglich um 10, 12, 14 und 16 Uhr fährt ein Gratis-Shuttle-Bus vom Albertinaplatz 2 direkt zum Museum.

Gratis-Bus für Besucherinnen des Museums fährt täglich um 10, 12, 14 und 16 Uhr vom Albertinaplatz 2 ab.

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Ganz Rein

Jüdische Ritualbäder – Fotografien von Peter Seidel

Das Mikvah Projekt – Fotografien von Janice Rubin , Texte von Leah Lax

In Hohenems ist das älteste jüdische Ritualbad in Österreich erhalten. Anlässlich der Restaurierung dieses Baudenkmals zeigt das Jüdische Museum Hohenems Einblicke in einen intimen Bereich jüdischen Lebens, zwischen religiöser Tradition und weltlichen Aufbrüchen.

Mikwe bei Rom
Mikwe in Ostia Antica, Bau etwa 350

Mit der Sonderausstellung „Ganz rein!“ eröffnet das Museum eine Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Sexualität und Ehe, Geschlechterrollen und Religion, mit Vorstellungen von Reinheit und Unreinheit, Fragen die auch in der Gegenwart Konflikte hervorrufen, in allen Religionen.

Die Ausstellung geht der historischen Tiefendimension jener Reinigungsrituale nach, die vom Judentum bis zum Ritual der Taufe reichen, und thematisiert die Renaissance der Mikwe im Zeichen einer umstrittenen neuen jüdischen Spiritualität.

Architekturstudien europäischer Mikwen des Frankfurter Fotografen Peter Seidel zeigen die Vielfalt der Bauformen durch die Jahrhunderte, und das Mikvah-Project der amerikanischen Künstlerinnen Janice Rubin und Leah Lax porträtiert Frauen
in der Mikwe und ihr sehr persönliches Verhältnis zu diesem alten Ritual.

Parallel dazu wird Radio Mikwe Hohenems, das neue Internet-Radio des Jüdischen Museums Hohenems, diese Auseinandersetzung verbreitern und vielen Stimmen Ausdruck verleihen. Radio Mikwe sendet Interviews und Informationen, historische Nachrichten, Gespräche und Literatur, Musik und Reisereportagen. Radio Mikwe berichtet von den Spannungen und den Berührungen zwischen den Religionen, zwischen Tradition und Gegenwart – und über die Widersprüche des jüdischen Alltags und seiner Geschichte.

Ganz Rein. Jüdische Ritualbäder – Fotografien von Peter Seidel. Das Mikvah Projekt – Fotografien von Janice Rubin , Texte von Leah Lax.
9. März bis 3. Oktober 2010, Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen 10-17 Uhr, Jüdisches Museum Hohenems, Villa Heimann-Rosenthaln Schweizer Strasse 5, Hohenems.
Eine Ausstellung des Jüdischen Museums Hohenems in Zusammenarbeit mit den Jüdischen Museen Frankfurt am Main, Fürth und Wien.
Radio Mikwe Hohenems, Sendezeit täglich von 9 bis 20 Uhr.

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Letzte Änderung: 07.09.2010
Webmeisterin+Redaktion: Mag. Ditta Rudle
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