Nazareth Academic Institute

Ein multikulturelles akademisches College in Galiläa

Ansicht des College. © NAI

Das Nazareth Academic Institute (NAI) ist eine noch im Aufbau befindliche multikulturelle Universität in Galiläa. Die Institution geht auf eine Initiative des melkitischen (griechisch-katholischen) Erzbischofs Elias Chacour zurück: Aufgewachsen im arabischen Dorf Baram im Norden Galiläas nahe der libanesischen Grenze, war Chacour in die Kriegswirren 1948 hineingezogen  worden. Sich seit Jahrzehnten für eine Aussöhnung sowie die Gleichberechtigung der arabischen Minderheit einsetzend, schuf er vorwiegend für die christlichen und moslemischen Araber in Ibillin bei Akko Kindergarten, Volks- und Mittelschule, das alles unter den Sammelnamen „Mar Elias Educational Institutions (MEEI)“.

Dazu trat schließlich ein College, das „Mar Elias College (MEC)“. Diese Einrichtungen erfüllen eine bedeutende regionale Aufgabe und ermöglichen es arabischen Israeli, die Berufs- und Hochschulreife zu erlangen und sich damit besser in die israelische Gesellschaft und Wirtschaft zu integrieren; gleichzeitig leisten sie einen Beitrag zur Verbesserung der schulischen Ausbildung muslimischer Mädchen, die sich nur langsam aus patriarchalischen Strukturen emanzipieren können. Auch für die wirtschaftliche Entwicklung von Nordgaliläa, das nach wie vor einen großen Aufholbedarf gegenüber südlicheren Regionen Israels aufweist, haben die MEEI große Bedeutung. 

Bis zur offiziellen Anerkennung durch den Staat Israel (März 2009) agierte das  auf die Verleihung des Bachelor-Grades gerichtete Mar Elias College drei Jahre lang im kleinen Ort Ibillin als Campus der amerikanischen „University of Indianapolis“. Dort  haben 223 Studenten ihren Abschluss gemacht.
Mit 1. November 2010 wurde das College in Nazareth unter dem neuen Namen NAI, als einzige arabische universitäre nichtstaatliche Einrichtung in Israel, vom staatlichen Rat für Höhere Studien (vorerst) zur Verleihung von B.A.-Diplomen  autorisiert. Zurzeit bestehen zwei Departments – eine Abteilung für Chemie und eine für Kommunikationswissenschaft.  Für das Studienjahr 2012/13 wurde beim israelischen Erziehungsministerium die Öffnung zweier weiterer Departments beantragt. Damit werden Computer-Science und Medizinische Hilfswissenschaften belegt werden können. Weiters ist die Eröffnung einer Fremdenverkehrsschule inkl. Fremdenführerausbildung geplant.

Der Bevölkerungsstruktur Galiläas entsprechend sind überwiegend mohammedanische Studentinnen und einige Christen inskribiert. Der Trägerverein von NAI setzt sich aus christlichen Arabern aus Nazareth und Umgebung zusammen, dem ein internationales Board of Trustees mit Vertretern aus USA, Österreich, BRD, Belgien) zur Seite steht

.<link http: mec.sahrat.net>logo NAI 

Ein weiterer Campus für Agrarstudien könnte zukünftig auch  in Miilya, einem christlichen Dorf, umgeben von Orten mit moslemischer, jüdischer und drusischer Bevölkerung, östlich von Nahariya, entstehen.

Eine große Herausforderung für das Universitäts-College stellt die Finanzierung  dar, da die Studiengebühren der meist aus bescheidenen Verhältnissen stammenden HörerInnen bei weitem nicht die Kosten decken, die Institution jedoch derzeit noch keine – wie  im Gesetz generell vorgesehene  – staatliche Subvention  erhält.

Politische Unterstützung erhielt und erhält das universitäre Projekt aus den verschiedensten Lagern: Der israelische Staatspräsident und Nobelpreisträger Shimon Peres, vormals u.a. Minister für die wirtschaftliche Entwicklung Galiläas, der das College am 20. Februar 2012 besuchte, verspricht sich von seiner Realisierung einen wesentlichen Beitrag zur friedlichen und gleichberechtigten Koexistenz von Juden und Arabern in Israel; die Europäische Union (dazu Ex-Kommissar Jan Figel) betrachtet das Projekt – auch in Hinblick auf den laufenden  EU-Israel Action Plan –  als bedeutsam für  vereinbarte Ziele der bilateralen Zusammenarbeit: Regional- und Minderheitenförderung sowie  Förderung der Situation der Frau. Seitens der USA erklärten schon Präsident Bush und Außenministerin Condolezza Rice anlässlich ihres Besuchs in Galiläa im Jänner 2008 großes Interesse an einer staatlichen Anerkennung und Förderung der Universität. Auch kirchliche und private Gönner in den USA und Europa helfen nach Kräften; der Wiener  Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn sowie Weihbischof Scharl zählen zu den Freunden  Chacours und der erzieherischen und akademischen Institutionen in der Region Galiläa.

Doch sind noch gewaltige Anstrengungen  notwendig, um die Vision von Abuna Chacour von einer christlich inspirierten Universität für die Jugend Galiläas – moslemische und christliche, jüdische und drusische Bürgerinnen und Bürger Israels zu verwirklichen und zu sichern.

Jegliche Hilfe, politische und finanzielle Unterstützung, Voluntariat in Israel und Gebet, sind willkommen!

Wir senden Ihnen gerne die aktuelle oder eine frühere Ausgabe der Illustrierten Neuen Welt zu. Bestellen Sie online.
Besuchen Sie auch unsere Bücherseite und die Terminseite.